Was macht eigentlich ein Interim Manager?

10 03 2010

Von Thorsten Soll

Ich gestehe – so genau wusste ich das auch nicht, als ich Mitte 2007 beschlossen habe, mich selbständig zu machen. Aber später mehr zu dieser Frage.

Vor dem Schritt in die Selbständigkeit war ich 12 Jahre als Angestellter in unterschiedlichen Positionen im Bereich Finanzen & Controlling tätig – davon viele Jahre in Führungspositionen als Leiter Controlling, Leiter Finanzen & Administration sowie Kaufmännischer Leiter, denglisch auch „CFO“ genannt. Ich hatte das Glück für interessante Unternehmen in der sich rasant entwickelnden IT-Branche tätig zu sein und kann behaupten, mehr erlebt zu haben, als viele meiner Kollegen in ihrem ganzen Berufsleben erleben werden. Langweilig war es selten. Trotzdem hatte ich irgendwann das Gefühl, etwas Anderes machen zu wollen.

Ob es nun der Wunsch war, mehr Unabhängigkeit zu erlangen, aus dem Trott sich wiederholender Tätigkeiten auszubrechen (nach dem Monatsabschluss ist vor dem Monatsabschluss), die Neugier auf neue Menschen, Unternehmen und Branchen zu befriedigen, immer weiter Neues zu lernen oder schlicht die Work-Life-Balance zu optimieren, kann ich abschließend gar nicht sagen – vermutlich von allem etwas.

Seit etwa Mitte 2006 bekam ich häufiger Anfragen aus meinem Netzwerk, ob ich mir nicht vorstellen könnte, freiberuflich für dieses oder jenes Projekt zu arbeiten. Die Anfragen haben sich in 2007 weiter konkretisiert bis schlussendlich der Initiator dieser Plattform mir den letzten Anstoß gegeben hat. Warum eigentlich nicht meine Erfahrungen und Kenntnisse als freiberuflicher Unternehmensberater anbieten? Nachfrage war schließlich vorhanden. 14 Tage später war ein Business Plan geschrieben, alle Formalitäten erledigt und ich begann mit meinem ersten Projekt.

Der Begriff „Unternehmensberater“ hat mir allerdings von Anfang an nicht so recht gepasst. Ein wenig „beratend“ tätig war ich zwar auch, im Wesentlichen bestand meine Tätigkeit aber aus dem Treffen und Durchsetzen von Entscheidungen, der operativen Umsetzung von Maßnahmen und auch dem Führen von Abteilungen und Mitarbeitern – also eigentlich klassische Managementaufgaben, nur dass meine Tätigkeit in den Unternehmen zeitlich begrenzt war. Und genau dies ist, wie mir klar wurde, die Definition von Interim Management.

Womit wir nun bei der eingangs gestellten Frage sind. Das Interim Management in Deutschland hat einen Schub mit der Wiedervereinigung 1990 erfahren, als die Treuhandanstalt zahlreiche Staatskombinate zu entflechten und volkseigene Betriebe zu Reprivatisieren hatte. Interim Manager werden auch heute noch häufig mit Krisenmanagern gleichgesetzt, die Sanierungen und Restrukturierungen durchführen. Dabei hat man das Bild von dem gestandenen Manager mit in Ehren ergrauten Haaren vor sich. Tatsächlich ist das auch häufig der Fall.

Allerdings hat sich in den letzten Jahren sowohl das Einsatzspektrum erweitert als auch das Durchschnittsalter der Interim Manager reduziert (ich habe zwar auch vermehrt graue Haare, was allerdings weniger am Alter, sondern vermutlich eher an den 12 Jahren meines Angestelltendaseins liegt). Interim Manager kommen heute im laufenden Geschäft (Überbrückung von Vakanzen, Ergänzung des Know-how, Verstärkung der Ressourcen), bei besonderen Unternehmenssituationen (z.B. Gründung, Entwicklung/Aufbau, Krise, Sanierung, Insolvenz, Umstrukturierung), beim Projektmanagement (z.B. Outsourcing, Kauf/Verkauf, Börsengang, Funktionsoptimierung) oder beim Coaching (z.B. Generationswechsel, Change Management) zum Einsatz. Allen Einsatzgebieten ist gemein, dass die Interim Manager in der Regel in der 1. oder 2. Managementebene eingesetzt werden und dass ihr Einsatz temporär ist oder, um das Bonmot der Branche zu zitieren „Wir kommen, um zu gehen“.

So hat sich bei mir – eigentlich untypisch – erst während der Selbständigkeit mein Geschäftsmodell und meine Positionierung richtig entwickelt. Neben Mut, Ausdauer und Entschlossenheit ist daher auch ein gewisses Maß an Flexibilität hilfreich auf dem Weg in die Selbständigkeit.

Auch wenn ich als „Finanzer“ viel über Selbstvermarktung und Kundenakquise zu lernen hatte und noch habe, schwankende Auslastungen auch finanziell aushalten muss und ich mich zeitweise in Hotels besser zurecht finde als in der eigenen Wohnung, habe ich für mich mit der Tätigkeit als selbständiger Interim Manager die ideale Arbeitsform gefunden.

Thorsten Soll ist Mitglied der Dachgesellschaft Deutsches Interim Management
https://www.ddim.de/Soll_Thorsten.php


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